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Was ist HEIC? Apples Bildformat erklärt

HEIC heißt das Bildformat, das iPhones seit 2017 standardmäßig speichern. Es halbiert die Dateigröße gegenüber JPG, bringt aber außerhalb der Apple-Welt regelmäßig Kompatibilitätsprobleme mit sich.

6 Min Lesezeit 1.349 Wörter 4 FAQs
Jan-Tristan Rudat
Jan-Tristan RudatRedakteur
Geprüft am

Wer ein iPhone besitzt und Fotos auf einen Windows-PC oder ein älteres Android-Gerät überträgt, stößt früher oder später auf die Endung .heic. Eine Datei, die sich nicht öffnen lässt, kein Vorschaubild zeigt, von manchem Programm rundweg abgelehnt wird. Dahinter steckt kein exotisches Nischenformat, sondern das Standard-Bildformat, das Apple seit 2017 auf hunderten Millionen Geräten ausliefert. Dieser Artikel erklärt, was HEIC technisch ist, woher es kommt, welche Vorteile es bietet und warum es trotzdem regelmäßig für Ärger sorgt.

HEIC im Überblick

HEIC steht für High Efficiency Image Container. Das Format wurde 2017 mit iOS 11 und macOS High Sierra eingeführt und ersetzte auf iPhones und iPads das altgediente JPG als Standard für aufgenommene Fotos. Der Kern des Versprechens: gleiche Bildqualität bei etwa der halben Dateigröße. Bei einer Fotomediathek mit zehntausenden Aufnahmen ist das ein handfester Vorteil, sowohl für den lokalen Speicher als auch für iCloud.

Technisch ist HEIC keine vollständig neue Erfindung, sondern die Kombination aus zwei bereits etablierten Bausteinen: einem modernen Container-Format namens HEIF und einem effizienten Kompressions-Codec namens HEVC. Diese Trennung zwischen Container und Codec ist der Schlüssel zum Verständnis und gleichzeitig die Quelle der häufigsten Verwirrung.

HEIF und HEIC: der Unterschied

Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber nicht dasselbe.

HEIF (High Efficiency Image File Format) ist der Container. Ein Container ist vergleichbar mit einer Box, die festlegt, wie Daten innerhalb der Datei organisiert sind: das eigentliche Bild, mehrere Bilder, Vorschaubilder, Metadaten, Tiefenkarten oder Sequenzen. HEIF wurde von der Moving Picture Experts Group (MPEG) standardisiert und ist im Prinzip codec-agnostisch. Das heißt, der Container schreibt nicht zwingend vor, mit welchem Verfahren die enthaltenen Bilder komprimiert sein müssen.

HEIC (High Efficiency Image Container) ist die konkrete Ausprägung, bei der die Bilddaten im Container mit dem HEVC-Codec komprimiert sind. Apple verwendet ausschließlich diese Variante und hat ihr die Dateiendung .heic gegeben. Man kann es so zusammenfassen:

BegriffBedeutungRolle
HEIFHigh Efficiency Image File FormatAllgemeiner Container, definiert die Dateistruktur
HEVCHigh Efficiency Video Coding (H.265)Kompressions-Codec, verkleinert die Bilddaten
HEICHigh Efficiency Image ContainerHEIF-Container mit HEVC-komprimierten Bildern, Apples konkrete Umsetzung

Praktisch heißt das: Jede HEIC-Datei ist eine HEIF-Datei, aber nicht jede theoretisch denkbare HEIF-Datei ist eine HEIC-Datei. Wer also liest, HEIF und HEIC seien dasselbe, liegt im Alltag nahe genug an der Wahrheit, technisch aber nicht ganz.

Der HEVC-Codec als Kern

Die eigentliche Magie der kleinen Dateigröße liegt im Codec. HEVC steht für High Efficiency Video Coding und ist auch unter dem Namen H.265 bekannt. Es handelt sich um den Nachfolger von H.264, dem Codec, der jahrelang die meisten Videos im Internet komprimiert hat. HEVC wurde primär für Video entwickelt, eignet sich aber hervorragend für Standbilder, denn ein Foto lässt sich vereinfacht als Video mit nur einem einzigen Bild auffassen.

HEVC arbeitet mit deutlich ausgefeilteren Vorhersage- und Blockzerlegungsverfahren als das in JPG verwendete ältere DCT-Verfahren. Es teilt das Bild flexibel in unterschiedlich große Blöcke auf und sagt deren Inhalt aus benachbarten Bereichen voraus, statt jeden Block isoliert zu codieren. Das Ergebnis ist eine spürbar bessere Kompression. In der Praxis erreicht HEVC bei vergleichbarer wahrgenommener Bildqualität ungefähr die halbe Dateigröße von JPG. Bei einem typischen iPhone-Foto bedeutet das den Unterschied zwischen rund 3 und rund 1,5 Megabyte.

Die Vorteile von HEIC

Die geringere Dateigröße ist nur der offensichtlichste Vorteil. HEIC kann technisch deutlich mehr als das betagte JPG.

Höhere Farbtiefe. JPG ist auf 8 Bit pro Farbkanal beschränkt, also rund 16,7 Millionen Farben. HEIC unterstützt bis zu 16 Bit pro Kanal. Das macht sich vor allem bei Farbverläufen bemerkbar, etwa einem Himmel im Sonnenuntergang, wo JPG sichtbare Streifen (Banding) erzeugen kann. Für die Bearbeitung von Fotos mit großem Tonwertumfang ist die höhere Bittiefe ein echter Gewinn.

Mehrere Bilder in einer Datei. Der HEIF-Container kann mehr als ein Bild aufnehmen. Genau das nutzt Apple für Live Photos. Eine Live-Photo-Aufnahme ist im Grunde eine kurze Sequenz aus Standbildern plus Ton, gebündelt in einem einzigen Container. JPG könnte das gar nicht abbilden, dort braucht es immer eine separate Datei pro Bild.

Tiefeninformationen. Aufnahmen im Porträtmodus speichern eine Tiefenkarte mit. Diese Information beschreibt, welche Bildbereiche nah und welche fern sind. Damit lässt sich der Unschärfeeffekt im Hintergrund nachträglich anpassen, ohne das Originalbild zu beschädigen. HEIC kann diese Tiefenkarte als zusätzlichen Datenstrom im selben Container ablegen.

Transparenz und weitere Metadaten. Anders als JPG unterstützt HEIC einen Alphakanal für Transparenz und kann eine Vielzahl an Zusatzdaten strukturiert mitführen, etwa für High Dynamic Range.

Die Schattenseite: Kompatibilität

Bei so vielen Vorteilen stellt sich die Frage, warum HEIC nicht längst überall der Standard ist. Die Antwort lautet schlicht: Kompatibilität. JPG ist seit den frühen 1990er Jahren etabliert und wird von praktisch jedem Gerät, jedem Browser und jeder Software gelesen. HEIC ist jung, und die Unterstützung ist lückenhaft.

Innerhalb des Apple-Ökosystems funktioniert HEIC reibungslos. Sobald ein Foto aber an die Außenwelt geht, beginnen die Probleme. Windows unterstützt HEIC nicht vollständig von Haus aus. Nutzer müssen die HEIF- und HEVC-Erweiterungen aus dem Microsoft Store nachinstallieren, wobei die HEVC-Erweiterung in der Regel kostenpflichtig ist. Viele ältere Android-Geräte, zahlreiche Webdienste, E-Mail-Clients und Bildbearbeitungsprogramme kommen ebenfalls nicht oder nur eingeschränkt mit dem Format zurecht.

Im Web spielt HEIC praktisch keine Rolle. Browser zeigen HEIC-Bilder in der Regel nicht direkt an. Wer ein iPhone-Foto auf einer Website einbinden oder per Kontaktformular hochladen will, muss es fast immer vorher konvertieren. Für den Webeinsatz dominieren weiterhin JPG, PNG sowie die moderneren Formate WebP und AVIF, wobei AVIF technisch eng mit HEIC verwandt ist und denselben Effizienzgedanken verfolgt.

Diese Lücke ist der Grund, warum die Umwandlung von HEIC in JPG eine der häufigsten Anforderungen im Alltag mit iPhone-Fotos ist. Solange das Zielsystem nicht zur Apple-Welt gehört, ist JPG meist der sichere Weg.

Lizenz- und Patentfragen

Ein oft unterschätzter Grund für die zögerliche Verbreitung von HEIC sind die Patente. Der HEVC-Codec ist nicht frei nutzbar. Er ist durch ein dichtes Geflecht von Patenten geschützt, deren Lizenzrechte über mehrere Patentpools und einzelne Rechteinhaber verteilt sind. Hersteller, die HEVC in ihre Geräte oder Software einbauen, müssen dafür Lizenzgebühren zahlen.

Genau diese Gebührenstruktur erklärt einige Reibungspunkte im Alltag. Sie ist der Grund, warum Microsoft die HEVC-Erweiterung unter Windows kostenpflichtig anbietet, während die HEIF-Erweiterung selbst gratis ist. Sie ist auch ein Grund, warum manche freie Software HEIC nur über Umwege oder gar nicht unterstützt. Für die Wiedergabe im Web setzen viele Beteiligte deshalb lieber auf das lizenzfreie AVIF, das auf dem offenen Codec AV1 basiert und damit ohne Lizenzgebühren auskommt.

Apple kann sich die Lizenzkosten leisten und reicht den Vorteil der kleineren Dateien an die eigenen Nutzer weiter. Für den Rest des Marktes bleibt der Patentstatus eine Bremse, die verhindert, dass HEIC zum universellen Standard aufsteigt.

HEIC auf dem iPhone steuern

Wer die Kompatibilitätsprobleme ganz vermeiden möchte, kann das iPhone wieder auf JPG umstellen. Unter Einstellungen, Kamera, Formate stehen zwei Optionen zur Wahl. “Hohe Effizienz” speichert HEIC und spart Platz. “Maximale Kompatibilität” speichert wieder im klassischen JPG, dafür mit größeren Dateien. Diese Einstellung betrifft nur künftige Aufnahmen, bereits gespeicherte HEIC-Bilder bleiben unverändert.

Eine weitere praktische Eigenschaft: Beim Teilen oder Exportieren wandelt iOS HEIC in vielen Fällen automatisch in JPG um, etwa wenn man ein Foto an einen Dienst sendet, der HEIC nicht versteht. Verlässlich ist dieses automatische Verhalten allerdings nicht in jedem Szenario, weshalb eine bewusste Konvertierung oft der sicherere Weg bleibt.

Worauf es ankommt

HEIC ist technisch das überlegene Format. Halbe Dateigröße bei gleicher Qualität, höhere Farbtiefe, Platz für Live Photos und Tiefeninformationen, all das spricht klar für Apples Wahl. Der einzige, aber gewichtige Haken ist die Kompatibilität außerhalb der Apple-Welt, mitverursacht durch die Lizenzkosten des HEVC-Codecs.

Im Klartext heißt das: Solange Fotos auf iPhone, iPad und Mac bleiben, ist HEIC die bessere Wahl und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Sobald Bilder aber an Windows, ältere Android-Geräte, Webdienste oder fremde Empfänger gehen, ist JPG der verlässlichere Begleiter. Die Umwandlung von HEIC in JPG ist deshalb keine Notlösung, sondern ein normaler Arbeitsschritt im Alltag mit iPhone-Fotos. Wer weiß, wann welches Format passt, spart sich viel Ärger mit nicht öffnenden Dateien.

FAQ

Häufige Fragen

Ist HEIC dasselbe wie HEIF?

Nicht ganz. HEIF ist der allgemeine Container (High Efficiency Image File Format), HEIC ist die konkrete Ausprägung, bei der die Bilddaten mit dem HEVC-Codec komprimiert sind. Jede HEIC-Datei ist eine HEIF-Datei, aber nicht jede HEIF-Datei nutzt zwingend HEVC.

Warum kann ich eine HEIC-Datei auf dem Windows-PC nicht öffnen?

Windows bringt von Haus aus keine vollständige HEIC-Unterstützung mit. Sie benötigen die HEIF- und HEVC-Erweiterungen aus dem Microsoft Store, wobei die HEVC-Erweiterung kostenpflichtig ist. Einfacher ist es oft, die Datei vorher in JPG umzuwandeln.

Verliere ich Qualität, wenn ich HEIC in JPG umwandle?

Ein gewisser Qualitätsverlust ist möglich, weil JPG ebenfalls verlustbehaftet komprimiert und zusätzlich auf 8 Bit Farbtiefe beschränkt ist. Bei hoher JPG-Qualitätsstufe ist der Unterschied für das Auge praktisch nicht sichtbar. Verloren gehen aber Zusatzdaten wie Tiefeninformationen oder die Live-Photo-Bewegung.

Kann ich mein iPhone wieder auf JPG umstellen?

Ja. Unter Einstellungen, Kamera, Formate lässt sich von 'Hohe Effizienz' auf 'Maximale Kompatibilität' wechseln. Dann speichert das iPhone wieder JPG statt HEIC, allerdings mit größeren Dateien.

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Quellen

Worauf dieser Ratgeber sich stützt

Veröffentlicht · zuletzt geprüft
Verantwortlich: Jan-Tristan Rudat
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